• 1

Dritte Befragung von Bauexpertinnen und Bauexperten zu Gebäudekonzepten und anderen Zukunftsfragen, dem Schwerpunktthema Ressourceneffizienz beim Bauen, und kritischen Fragen zum Passivhaus, durchgeführt im Jänner/Feber 2013

Die wichtigsten Ergebnisse:
Niedrigenergiehaus und Passivhaus  weiterhin am bekanntesten, gefolgt von Niedrigstenergiehaus  und klima:aktiv-Haus
Niedrigstenergiehaus, Passivhaus und Niedrigenergiehaus haben die besten Marktaussichten
Energiethemen, Innenraumluftqualität und Umfassende Sanierung sind die wichtigsten Herausforderungen
Passivhaus überzeugt und provoziert zugleich
Ressourceneffizienz als rundum wichtiges Thema bestätigt
Die Ergebnisse im Detail: 
Bekanntheit von Gebäudekonzepten 

Die bekanntesten Gebäudekonzepte sind weiterhin Niedrigenergiehaus und Passivhaus (beide mit Durchschnittsnote 1,43), gefolgt von Niedrigstenergiehaus (1,78) und klima:aktiv-Haus (2,13), das markant zulegt [klima:aktiv Haus ist der Gebäudestandard des Lebensministeriums]. Am stärksten verbessert sich das Nearly Zero Energy Building (NZEB) - es gewinnt 4 Plätze, liegt damit jedoch immer noch im hinteren Mittelfeld. Plusenergiehaus, Passivhaus plus und Nullenergiehaus verbessern sich ebenfalls: deutliche Anzeichen dafür, dass Häuser zunehmend auch als Energieproduzenten wahrgenommen werden. Das 3-Liter-Haus hingegen verschlechtert sich markant. Dabei zeigen sich klima:aktiv-Partner - wie schon im Vorjahr - besser informiert. Sie kennen die Gebäudekonzepte durchwegs besser; besonders deutlich ist der Unterschied bei NZEB und klima:aktiv Haus.

Marktaussichten der Gebäudekonzepte

Die besten Marktaussichten in den nächsten 5 Jahren werden wieder Niedrigstenergiehaus (2,05) und Passivhaus (2,08) zugeschrieben. Dann folgt das Niedrigenergiehaus (2,26), knapp dahinter das klima:aktiv-Haus (2,52) inmitten einer Gruppe von 6 Gebäudekonzepten zu denen kein signifikanter Unterschied besteht (Noten 2,37 bis 2,68). klima:aktiv-Partner geben dem klima:aktiv Haus bessere Noten und setzen es damit - wie schon 2012 – sogar auf Rang drei hinter Niedrigstenergiehaus und Passivhaus. Weiter zurückgefallen ist das 3-Liter-Haus mit deutlich schlechterer Note (3,64) als im Vorjahr.

Zeitreihen für ausgewählte Gebäudekonzepte

Bei der Bekanntheit liegt das Passivhaus mit konstanten Werten an der Spitze, gleichauf mit dem Niedrigenergiehaus und gefolgt vom Niedrigstenergiehaus; Das klima:aktiv Haus legt signifikant zu. Noch deutlicheren Zuwachs hat das NZEB, allerdings bei wesentlicher schlechterer Ausgangsbasis. Das 3-Liter-Haus verliert und liegt bereits hinter dem NZEB (noch nicht signifikant).

Auch bei den Marktaussichten liegt das Passivhaus mit fast konstanten Werten an der Spitze, hier gleichauf mit dem Niedrigstenergiehaus und knapp gefolgt vom Niedrig-energiehaus. Das klima:aktiv Haus hält fast unverändert seine hohe Position. Das Nearly Zero Energy Building liegt ebenso konstant knapp dahinter. Die leicht steigende Tendenz ist bei beiden noch nicht signifikant. Das 3-Liter-Haus verliert auch hier, seine abgeschlagene Position hat sich weiter verschlechtert.

Zukünftige Herausforderungen 

Alle 16 vorgegebenen „Fragen, vor denen die Baubranche steht“ bekommen wieder Durchschnittsnoten deutlich unter 3, werden somit weiterhin alle für ziemlich wichtig gehalten. Die Veränderungen zum Vorjahr sind gering und heben teilweise die von 2011 zu 2012 wieder auf. Dennoch gibt es leichte Verschiebungen in der Reihenfolge.

Als wichtigste Themen für das eigene Unternehmen in den nächsten 5 Jahren werden „Erneuerbare Energie“, „Energieausweis“, „Vermeidung sommerlicher Überhitzung“, „Innenraumluftqualität“, „Umfassende Sanierung von Gebäuden“ und die „Europäische Gebäuderichtlinie EPBD“ gesehen (Noten 1,54 bis 1,79). Signifikante Anstiege verzeichnen „Lebenszykluskosten“ (auf 1,85) und „Nachhaltige Gebäudezertifizierung“ (auf 2,08), während „Vorfertigung“ auf den vorletzten Platz abrutscht (2,21). Unverändert am relativ wenigsten wichtig erscheint „Alternativen zu PVC“ (2,62).

Kritische Fragen zum Passivhaus

Über 60 Prozent der Befragten bestätigen: „Das Passivhaus ist ein Nearly Zero Energy Building“. Fast so viele meinen, „Die EU-Gebäuderichtlinie kann auch durch Gebäudekonzepte erfüllt werden, die ohne Komfortlüftung auskommen“. Und mehr als zwei Drittel meinen: „Das Passivhaus-Konzept muss angepasst werden, weil der Bedarf an Frischluft und Wärme nicht immer gleich groß ist“ (Gesonderter Text für ausführliche Ergebnisse auf Anfrage).

Ressourceneffizienz beim Bauen

Von den 14 vorgegebenen Aspekten für Ressourceneffizienz bekommen 13 Durchschnittsnoten unter 2 und werden somit für wichtig bis sehr wichtig gehalten. Nur „Neubau vermeiden“ liegt - bei immer noch hoher Zustimmung mit Note 2,27 - abgeschlagen am letzten Platz.

Dabei fällt eine starke Betonung der Energie auf: an der Spitze liegt „Erneuerbare Energie nutzen“ (1,37), auf Platz 3 und 4 folgen “Endenergieverbrauch minimieren“ (1,52) und „Lokal erzeugte Energie nutzen“ (1,56). Nur „HWB minimieren“ hält nicht ganz mit und belegt den drittletzten Platz (1,84).

Ressourcenoptimierte Immobilien

Die 22 vorgegebenen Aspekte bekommen Durchschnittsnoten zwischen 1,27 und 2,88 und werden somit alle für ziemlich wichtig gehalten. Bemerkenswert sind die Spitzenplätze von „Ganzheitliche Planung“ und „Strategie vor Planungsbeginn“ (Noten 1,26 bzw. 1,31) bei generell guten Platzierungen für Planungsaspekte. „Lebenszykluskosten“ (1,66) liegen hier knapp hinter der Spitzengruppe, „Vorfertigung“ (2,48) auch hier auf dem vorletzten Platz. Auf dem letzten Platz und damit relativ am wenigsten wichtig erscheint „Optimierung der Raumnutzung mit IT-Unterstützung (MoreSpace o.ä.)“.

Rahmenbedingungen Ressourceneffizienz

Von den abgefragten neuen Vorgaben, die den Bereich Ressourcen- und Energieeffizienz regeln, sind nur OIB-Richtlinie 6 (1,81), Energieausweis-Vorlage-Gesetz 2012 (EAVG) (1,99) und EU-Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden (EU-Gebäuderichtlinie EPBD / GEEG) (2,24) besser bekannt. Für den Großteil der Regelungen liegt die Durchschnittsnote über 3,0, sie sind also wenig, nur namentlich oder gar nicht bekannt. Auch bei diesem Thema zeigen sich klima:aktiv-Partner besser informiert: Alle Werte unterscheiden sich positiv, die meisten sogar deutlich.

Einschätzung von Maßnahmen zur Ressourcen- / Energieeffizienz

Die Noten für die 12 Einzelmaßnahmen aus dem Regierungsprogramm liegen zwischen 1,72 und 2,46; sie werden demnach alle für ziemlich wirksam gehalten. Kaum überraschend sind die Spitzenplätze für „Thermische Sanierung“: „Altbauten/Wohngebäude“ (Note 1,72) bzw. „Nicht-Wohngebäude“ (2,01), umso erstaunlicher der zweite Platz für „Energieeffizienz als Kriterium bei öffentlichen Ausschreibungen“ mit fast gleicher Spitzennote (1,80). Der Energieausweis liegt nur am vorletzten Platz (2,34); Schlusslicht ist „Erhöhung des Anteils von Neubauten mit Passivhausstandard“ (2,46). Die neuen Kennzahlen im Energieausweis liegen sogar noch dahinter (2,50 bis 2,59).

 

Text Size