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Vierte Befragung von Bauexpertinnen und Bauexperten zu Gebäudekonzepten und anderen Zukunftsfragen, dem Schwerpunktthema 'Bauschaden und daraus resultierende Mängel und Schäden beim Bauen', durchgeführt im Jänner/Feber 2014 

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

„Bauschäden“ größte Herausforderung ... 
„Lebenszykluskosten“ und
"Zertifizierung“ nachrangig  ...
Fehler passieren auf der Baustelle - Bildung ist wichtigste Gegenmaßnahme ...        
Passivhaus weiterhin am bekanntesten - schwächelt jedoch bei Marktaussichten, und polarisiert wie bereits 2013

Herausforderungen für die Baubranche

Baufehler und daraus resultierende Mängel und Schäden sind die größte Herausforderung für die Baubranche, wie der neueste Durchgang der jährlichen Expertenbefragung zeigt. Somit bestätigen sich die Arbeitshypothesen der „Zukunft Bauen 2014":
1) Die Wahrscheinlichkeit von Bauschäden steigt mit den zunehmenden Anforderungen, und
2) Damit das existenzgefährdende Potenzial für die Unternehmen der Baubranche .
    
Dagegen bekommen die für die Immobilienwirtschaft besonders interessanten Items „Lebenszykluskosten“ und „Zertifizierung“ seit 2011 gleichbleibend schwache Bewertungen.

Baufehler und -schäden

Die befragten Expertinnen und Experten nennen als persönliche Erfahrung am häufigsten Fehler im Zusammenhang mit der Ausführung auf der Baustelle: jeweils deutlich über 50 Prozent erleben „häufig“ (= Note 4) bis „immer“ (= Note 5) Fehler durch ungenügende Kommunikation zwischen Gewerken“ (Durchschnittsnote 3,61) und „Ausführungsfehler eines Gewerks“ (3,47); nur knapp dahinter liegen „Fehler aufgrund schlechter Baustellenorganisation / -koordination“ und „Fehler wegen ungenügender / fehlender Baustellenaufsicht“.

Die aus den Antworten hochgerechneten Kosten „im Durchschnitt pro Projekt“ liegen „im eigenen Betrieb“ bei 2,38 Prozent, „in der Baubranche“ bei 6,60Prozent. Als häufigste Auslöser für Fehler werden „Kostendruck“ (4,10) und „Zeitdruck“ (3,92)genannt.

Unter den möglichen Abhilfen erscheint Aus- und Weiterbildung am wichtigsten (Note 1 = „sehr wichtig“, 2 = „wichtig“): An der Spitze liegen „Grundausbildung in Lehre, Fachschulen und Universitäten“ (1,40) und „Weiterbildung zu neuen Bauweisen und Materialien“ (1,44), gefolgt von „Benutzerschulung“ (1,81) und „Weiterbildung in Bauschadenseminaren“ (2,00).

Gebäudekonzepte

Das Passivhaus bleibt – gleichauf mit dem Niedrigenergiehaus - das bekannteste Gebäudekonzept, verliert jedoch signifikant bei den Marktaussichten und rutscht auf Rang drei. Das Niedrigenergiehaus dagegen legt hier ebenso signifikant zu und belegt den zweiten Platz hinter dem Niedrigstenergiehaus (Im nachfolgenden Diagramm sind 6 der vorgelegten 17 Items dargestellt):

Bei der Differenzierung klima:aktiv-Partner vs. Nicht-Partner zeigen sich einige Unterschiede: Partner kennen die Gebäudekonzepte besser und schätzen auch die Marktaussichten anders ein: sie sehen Niedrigstenergiehaus (2,08) und Passivhaus (2,13) gleichauf an der Spitze, das Niedrigenergiehaus (2,53) hingegen deutlich abgesetzt auf Rang drei. Etwas bessere Noten als die übrigen Teilnehmer geben sie dem klima:aktiv Haus (2,49 vs. 2,72); signifikant bessere dem Nearly Zero Energy Building (2,40 vs. 2,99).

 

Baufehler und Gebäudekonzepte

 

Ein Zusammenhang zwischen Fehlern und Gebäudekonzept wird bestätigt, wobei neuere, komplexere Konzepte anfälliger erscheinen.

Das Passivhaus polarisiert - wie bereits bei den 'Kritischen Fragen zum PH' im Vorjahr. So bekam etwa der Satz: „Das Passivhaus funktioniert nur in der Theorie: es ist zu kompliziert und zu aufwändig, in der Praxis wird nicht so geplant und gebaut, Fehler sind sehr wahrscheinlich“ 2013 in der Gesamztauswertung die Durchschnittsnote 3,11 mit annähernd gleich großer Zustimmung (= kontra PH) und Ablehnung (= pro PH).

Bei Teilung des Samples in Mitglieder / Nichtmitglieder der IG Passivhaus unterscheiden sich die Durchschnittsnoten signifikant:

  • Nichtmitglieder stimmen zu fast 51 Prozent zu (Note 2,87):
    Sie bezweifeln also die Praxistauglichkeit und halten Fehler für sehr wahrscheinlich

  • Mitglieder der IG dagegen lehnen das Statement zu über 76 Prozent ab (Note 4,03):
    Sie sind weitgehend überzeugt, dass das Passivhaus auch in der Praxis funktioniert.


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